Nach
dem Riesenerfolg von Liebermann
kommen
Fotorealismus und viel Farbe
Eigentlich
sollte gestern in der Medienkonferenz des Burda-Museum die Zukunft im
Mittelpunkt stehen, nämlich; welche Ausstellungen werden dem
„Impressionismus in Deutschland“ folgen?
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| Haben allen Grund zur Freude: Der künstlerische Direktor des Burda-Musums, Dr. Daniel Zamani (links), und der kaufmännische Direktor Florian Trott (rechts) |
Eigentlich!
Aber dann holte der Erfolg die beiden Macher Florian Trott und Dr.
Daniel Zamani ein, denn die Liebermann-Ausstellung sprengt alle
Rekorde der letzten Jahre: Allein die Zahlen, die der kaufmännische
Direktor, Florian Trott, verkündete, sprachen für sich: 135.000
Besucher im vergangenen Jahr, das ist eine Steigerung um 20 Prozent!
Und in der derzeit laufenden Liebermann-Ausstellung erwartet man noch
diese Woche den 70.000sten Besucher. 85.000 werden es vermutlich bis
Ende der Laufzeit am 8. Februar sein.

Und
noch ein Superlativ: Zählte man bislang durchschnittlich 30 bis 40
Gruppenführungen pro Ausstellung, so wurde das Museum bei Liebermann
regelrecht überrannt: 480 Gruppenführungen bis jetzt, also das
Zehnfache! Und die Menschen streifen nicht flüchtig umher, sondern
sie bleiben und genießen, zweieinhalb Stunden in der Regel, und
nahezu jeder Individualbetrachter leiht sich den Audio-Guide aus,
auch der Katalog geht reißend weg, vermutlich ist Anfang Februar nur
noch ein kleiner Rest der zweiten Auflage verfügbar.
Das
alleine hätte eigentlich schon eine Presse-, bzw. Medienkonferenz
gerechtfertigt. Aber man konnte den Eindruck gewinnen, dass die
Direktoren sich keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruhen wollen und
Riesenapplaus erwarten, sondern kontinuierlich und mit extremer
Begeisterung und Hingabe in die Zukunft sehen. Bis 2030 seien bereits
alle Ausstellungs-Vorbereitungen getroffen und zum großen Teil
bereits abgeschlossen, berichtete Schnellsprecher Zamani, und das
entlockte ihm denn doch ein kleines, stolzes Lächeln.
Alles
werde dem Profil des Hauses gerecht, verriet der künstlerische
Direktor, Schwerpunkt wird wie gewohnt das 20. Jahrhundert sein,
besonders auch die Frankreichliebe des Museumsgründers Frieder
Burda, die Pariser Avantgarde und die New-York-School – die DNA des
Hauses ist vorgezeichnet und wird auch weiterhin so beibehalten,
versicherte Zamani, dessen Ehrgeiz es sein wird, aus dem Museum
heraus deutliche Impulse für die Stadt und überregional zu setzen.
Im
kleinen Verwaltungsraum des Museum, der gestern als Meetingpoint für
die Presse fungierte, konnte man bereits einen Blick auf die Modelle
werfen, an denen die Hängung für die Ausstellung von 2027 zu sehen
war. „Europa im Pop-Fieber“ wird sie heißen und sich mit Werken
von Erró bis Sigmar Polke beschäftigen, und dabei auch zahlreiche
Werke aus dem museumseigenen Fundus zeigen.
Aber
das ist Zukunftsmusik. Erst einmal geht es ab 28. Februar 2026 mit
dem Fotorealismus weiter, also quasi einem Wettstreit mit der
Wirklichkeit. Ist das Fotografie, oder ist es ein Gemälde? Das
werden sich die Besucher so manches Mal fragen, wenn sie die kommende
Ausstellungen betreten. Banale Motive aus dem amerikanischen
Alltagsleben werden zu sehen sein, und es ist auf den ersten und
zweiten Blick nicht zu erkennen, dass es eben keine Fotografien sind.
Neben zehn Werken aus dem Bestand Frieder Burda sind 95 weitere, zum
Teil weltberühmte Werke aus 20 Sammlungen zusammengetragen worden,
der Rahmen reicht von den 60er Jahren bis zu zeitgenössischer
künstlerischer Praxis, einige Arbeiten wurden sogar extra für diese
Ausstellung in Baden-Baden angefertigt. Autos, Stillleben,
Figurendarstellung, Cadillacs, eingewickelte Lutscher (Candy
paintings), Architektur, ein bunter Mix wird die Zuschauer
begeistern. Das Mezzanine wird übrigens Karin Kneffel gewidmet
werden, die Meisterschülerin von Gerhard Richter hat diesen Bereich
persönlich kuratiert und wird die Hängung auch persönlich
vornehmen. Dies nur als kleiner Appetitanreger, es wird zum Beginn
der Ausstellung ganz sicher einen weiteren ausführlichen Bericht
geben.

Ab
15. August bis zum 10. Januar 2027 ist dann Fantasie, Staunen und
sinnliches Erleben von Farbe Mittelpunkt einer Schau von Werken des
international renommierten ungarnstämmigen Künstlers Simon Hantaï,
der sich in seiner zweiten Heimat Paris vornehmlich mit den Werken
von Jackson Pollock auseinandersetzte, aber die Farbe nicht auf am
Boden liegende Leinwände tropfen ließ, sondern die Leinwand faltete
und dann mit Öl-oder Acrylfarbe bedeckte. Monumentale Arbeiten sind
dabei herausgekommen, 40 davon werden im Museum Frieder Burda
gezeigt, und Zamani versprach ein intensives Erleben der bis zu fünf
Meter großen Bilder, die sich perfekt in die weißen Räume des
Richard-Maier-Baus einfügen werden und die eine regelrechte
Sogwirkung auf die Betrachter ausüben werden: „Man will nah
herangehen, bis man das Gefühl hat, die Farbe tropft auf einen
drauf.“
Wir
können uns also auf großartige Spektakel freuen, und besonders
erfreulich ist, das das Burda-Museum bei all dem immer Blick behält,
wo es sich befindet. Die Zusammenarbeit mit der Museumsmeile wird
weiter intensiviert, die Stiftung werde sich auf weiterhin in Sachen
Stadtmuseum engagieren, freue sich auf die Zusammenarbeit mit der
Kunsthalle und werde genau beobachten ,wie es mit dem LA8 weitergeht,
das sich gerade in unruhigen Fahrwassern befinde, weil seine Zukunft
als Welterbestätte unsicher sei. Auf jeden Fall soll es eine
Wiederaufnahme des Museumsfestes geben, das dieses Jahr in
Zusammenarbeit mit allen vier Häusern der Museumsmeile ein riesiger
Erfolg war.
Das
sind doch mal Aussichten für Baden-Baden, die wir alle gerne zur
Kenntnis nehmen!
Mehr Informationen: => Webseite Museum Frieder Burda