Mittwoch, 14. Januar 2026

Das Burda-Museum 2026 und darüber hinaus

 

Nach dem Riesenerfolg von Liebermann

kommen Fotorealismus und viel Farbe

 

Eigentlich sollte gestern in der Medienkonferenz des Burda-Museum die Zukunft im Mittelpunkt stehen, nämlich; welche Ausstellungen werden dem „Impressionismus in Deutschland“ folgen?

 

Haben allen Grund zur Freude: Der künstlerische Direktor des Burda-Musums, Dr. Daniel Zamani (links), und der kaufmännische Direktor Florian Trott (rechts) 

Eigentlich! Aber dann holte der Erfolg die beiden Macher Florian Trott und Dr. Daniel Zamani ein, denn die Liebermann-Ausstellung sprengt alle Rekorde der letzten Jahre: Allein die Zahlen, die der kaufmännische Direktor, Florian Trott, verkündete, sprachen für sich: 135.000 Besucher im vergangenen Jahr, das ist eine Steigerung um 20 Prozent! Und in der derzeit laufenden Liebermann-Ausstellung erwartet man noch diese Woche den 70.000sten Besucher. 85.000 werden es vermutlich bis Ende der Laufzeit am 8. Februar sein.  

 


Und noch ein Superlativ: Zählte man bislang durchschnittlich 30 bis 40 Gruppenführungen pro Ausstellung, so wurde das Museum bei Liebermann regelrecht überrannt: 480 Gruppenführungen bis jetzt, also das Zehnfache! Und die Menschen streifen nicht flüchtig umher, sondern sie bleiben und genießen, zweieinhalb Stunden in der Regel, und nahezu jeder Individualbetrachter leiht sich den Audio-Guide aus, auch der Katalog geht reißend weg, vermutlich ist Anfang Februar nur noch ein kleiner Rest der zweiten Auflage verfügbar.

Das alleine hätte eigentlich schon eine Presse-, bzw. Medienkonferenz gerechtfertigt. Aber man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Direktoren sich keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruhen wollen und Riesenapplaus erwarten, sondern kontinuierlich und mit extremer Begeisterung und Hingabe in die Zukunft sehen. Bis 2030 seien bereits alle Ausstellungs-Vorbereitungen getroffen und zum großen Teil bereits abgeschlossen, berichtete Schnellsprecher Zamani, und das entlockte ihm denn doch ein kleines, stolzes Lächeln.

Alles werde dem Profil des Hauses gerecht, verriet der künstlerische Direktor, Schwerpunkt wird wie gewohnt das 20. Jahrhundert sein, besonders auch die Frankreichliebe des Museumsgründers Frieder Burda, die Pariser Avantgarde und die New-York-School – die DNA des Hauses ist vorgezeichnet und wird auch weiterhin so beibehalten, versicherte Zamani, dessen Ehrgeiz es sein wird, aus dem Museum heraus deutliche Impulse für die Stadt und überregional zu setzen.

 


Im kleinen Verwaltungsraum des Museum, der gestern als Meetingpoint für die Presse fungierte, konnte man bereits einen Blick auf die Modelle werfen, an denen die Hängung für die Ausstellung von 2027 zu sehen war. „Europa im Pop-Fieber“ wird sie heißen und sich mit Werken von Erró bis Sigmar Polke beschäftigen, und dabei auch zahlreiche Werke aus dem museumseigenen Fundus zeigen.  

Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal geht es ab 28. Februar 2026 mit dem Fotorealismus weiter, also quasi einem Wettstreit mit der Wirklichkeit. Ist das Fotografie, oder ist es ein Gemälde? Das werden sich die Besucher so manches Mal fragen, wenn sie die kommende Ausstellungen betreten. Banale Motive aus dem amerikanischen Alltagsleben werden zu sehen sein, und es ist auf den ersten und zweiten Blick nicht zu erkennen, dass es eben keine Fotografien sind. Neben zehn Werken aus dem Bestand Frieder Burda sind 95 weitere, zum Teil weltberühmte Werke aus 20 Sammlungen zusammengetragen worden, der Rahmen reicht von den 60er Jahren bis zu zeitgenössischer künstlerischer Praxis, einige Arbeiten wurden sogar extra für diese Ausstellung in Baden-Baden angefertigt. Autos, Stillleben, Figurendarstellung, Cadillacs, eingewickelte Lutscher (Candy paintings), Architektur, ein bunter Mix wird die Zuschauer begeistern. Das Mezzanine wird übrigens Karin Kneffel gewidmet werden, die Meisterschülerin von Gerhard Richter hat diesen Bereich persönlich kuratiert und wird die Hängung auch persönlich vornehmen. Dies nur als kleiner Appetitanreger, es wird zum Beginn der Ausstellung ganz sicher einen weiteren ausführlichen Bericht geben.  

 


Ab 15. August bis zum 10. Januar 2027 ist dann Fantasie, Staunen und sinnliches Erleben von Farbe Mittelpunkt einer Schau von Werken des international renommierten ungarnstämmigen Künstlers Simon Hantaï, der sich in seiner zweiten Heimat Paris vornehmlich mit den Werken von Jackson Pollock auseinandersetzte, aber die Farbe nicht auf am Boden liegende Leinwände tropfen ließ, sondern die Leinwand faltete und dann mit Öl-oder Acrylfarbe bedeckte. Monumentale Arbeiten sind dabei herausgekommen, 40 davon werden im Museum Frieder Burda gezeigt, und Zamani versprach ein intensives Erleben der bis zu fünf Meter großen Bilder, die sich perfekt in die weißen Räume des Richard-Maier-Baus einfügen werden und die eine regelrechte Sogwirkung auf die Betrachter ausüben werden: „Man will nah herangehen, bis man das Gefühl hat, die Farbe tropft auf einen drauf.“

Wir können uns also auf großartige Spektakel freuen, und besonders erfreulich ist, das das Burda-Museum bei all dem immer Blick behält, wo es sich befindet. Die Zusammenarbeit mit der Museumsmeile wird weiter intensiviert, die Stiftung werde sich auf weiterhin in Sachen Stadtmuseum engagieren, freue sich auf die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle und werde genau beobachten ,wie es mit dem LA8 weitergeht, das sich gerade in unruhigen Fahrwassern befinde, weil seine Zukunft als Welterbestätte unsicher sei. Auf jeden Fall soll es eine Wiederaufnahme des Museumsfestes geben, das dieses Jahr in Zusammenarbeit mit allen vier Häusern der Museumsmeile ein riesiger Erfolg war.

Das sind doch mal Aussichten für Baden-Baden, die wir alle gerne zur Kenntnis nehmen!

Mehr Informationen: =>   Webseite Museum Frieder Burda


Freitag, 19. Dezember 2025

Frohe Weihnachten

Fröhliche und vor allem

entspannnte Weihnachten!  

 

 


 

 

Liebe Besucher/innen des Forums Baden-Baden!

Ich wünsche Ihnen entspannte Feiertage! 

Ich habe es mir dieses Jahr einfach gemacht und mir endlich einen künstlichen Weihnachtsbaum gegönnt. Der nadelt nicht, ist leicht zu transportieren, unterscheidet sich mittlerweile kaum mehr von echten und lässt sich bequem verstauen. Der Aufbau allerdings hat mich an meine Grenzen gebracht, da muss man schon Mathe-Ass sein. Viel Vergnügen beim Abschauen und Mitleiden - und...  Lassen Sie sich nicht stressen. Niemand erwartet, dass Sie zu Weihnachten perfekt sind!

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Bürgerfragestunde, Teil 2


 Maulkorb für die Bürger

Ruhe für die Stadträte?


Das war mein persönlicher Aufreger der Woche!

Ab sofort dürfen wir Bürger im explizit dafür vorgesehen Tagesordnungspunkt „Einwohner/innen-Fragestunde“ zu Beginn einer jeden Gemeinderatssitzung keine Fragen mehr zu aktuellen Themen stellen, die anschließend im Gremium behandelt werden sollen. Warum? Damit die Räte nicht in ihrer Entscheidung beeinflusst werden. 

Das mag rechtlich einwandfrei sein, aber ich frage mich: Was ist das für eine Begründung? Wie werden wir Bürger behandelt in einer Zeit, in der landauf, landab über Politikverdrossenheit und schwindende Wahlbeteiligung geklagt wird? Ist es wirklich klug, mündigen Bürgern einen Maulkorb zu verpassen, weil man ihre Meinung nicht anhören will? Im Vorfeld der Beratungen zum geplanten Zentralklinikum gab es in diesem Jahr in der Tat unschöne Szenen auf der Zuschauertribüne. Aber müssen wir nun alle zum Schweigen gebracht werden, nur weil jemand übers Ziel hinausschoss? Gäbe da nicht andere Möglichkeiten, Eskalationen einen Riegel vorzuschieben? Dazu gleich mehr.

 

 
 

Bleiben wir zunächst beim Vorgang an sich. Es ist tatsächlich so, dass es diese Regelung erst seit September gibt. Der zuständige zweite Bürgermeister, Dr. Tobias Krammerbauer, hat mir auf Anfrage sehr ausführlich beantwortet, wie es dazu kam. Hier seine Stellungnahme:

1. Beschlusslage und Verfahren

Die Änderung der Geschäftsordnung wurde vom Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 28. Juli 2025 beschlossen. Grundlage war eine entsprechende öffentliche Gemeinderatsvorlage. Der Entscheidung gingen ausführliche Vorberatungen zwischen Verwaltung und den Fraktionen voraus. Die Neuregelung trat zum 1. September 2025 in Kraft und gilt damit für künftige Sitzungen.

Der Gemeinderat hat hierbei von seinem gesetzlich vorgesehenen Selbstorganisationsrecht Gebrauch gemacht.

2. Wesen und Zweck der Einwohnerfragestunde

Die Einwohnerfragestunde nach § 33 Abs. 4 GemO ist rechtlich keine Diskussion mit dem Gemeinderat und kein Instrument zur Einflussnahme auf laufende Beratungen. Sie dient dazu, Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit zu geben, Fragen zu Gemeindeangelegenheiten zu stellen sowie Anregungen und Vorschläge einzubringen.

Die Rechtsprechung stellt klar, dass daraus kein einklagbares Recht auf eine bestimmte Ausgestaltung folgt – weder hinsichtlich des Zeitpunkts noch hinsichtlich der zulässigen Inhalte. Insbesondere besteht kein Anspruch darauf, sich im Rahmen der Fragestunde zu Punkten der aktuellen Tagesordnung zu äußern.

3. Fragen zur Tagesordnung

In der bisherigen Praxis hat sich gezeigt, dass Fragen zu Tagesordnungspunkten – insbesondere zu Beginn der Sitzung – regelmäßig zu inhaltlichen Vorab-Diskussionen geführt haben, die rechtlich nicht vorgesehen waren.

Sie haben selbst darauf hingewiesen, dass es etwa im Zusammenhang mit dem Neubau des Klinikums wiederholt zu sehr langen Diskussionen im Rahmen der Einwohnerfragestunde gekommen ist. Solche Situationen verdeutlichen, dass der vorgesehene Rahmen der Fragestunde überschritten wurde und faktisch Einfluss auf die noch offene Willensbildung des Gemeinderats entstehen konnte.

4. Kommunaler Vergleich

Auch im kommunalen Vergleich ist die beschlossene Regelung nicht ungewöhnlich. … (Anm: gekürzt)

Andere Städte verzichten sogar vollständig auf eine Einwohnerfragestunde. Vor diesem Hintergrund stellt die aktuelle Ausgestaltung weiterhin eine bürgerfreundliche und ausgewogene Lösung dar.

5. Bürgerfreundlichkeit der Regelung 

Die Beteiligungsmöglichkeiten bleiben weiterhin niedrigschwellig und transparent:

regelmäßige Einwohnerfragestunde,

weiterhin zu Beginn der Sitzung,

Fragen, Anregungen und Vorschläge zu Gemeindeangelegenheiten ausdrücklich möglich,

lediglich der unmittelbare Bezug zu laufenden Tagesordnungspunkten ist ausgeschlossen.

Weitere Beteiligungsformen – etwa Gespräche, Anfragen oder schriftliche Eingaben – bestehen unverändert.

6. Einordnung und Ausblick

Die nun beschlossene Klarstellung dient nicht der Einschränkung von Beteiligung, sondern ihrer klaren, verlässlichen und rechtssicheren Ausgestaltung.

Selbstverständlich wird man nun auch beobachten, wie sich die neue Regelung in der Praxis bewährt. Erfahrungen aus der Anwendung können in zukünftige Überlegungen einfließen. Zunächst geht es jedoch darum, die beschlossene Regelung umzusetzen und ihre Wirkung sachlich zu betrachten.


Soweit also die rechtliche Einordnung: Alles rechtens, kein Grund zur Klage, ein demokratischer Prozess, die Gemeinderäte haben den Punkt beschlossen. Akzeptiert!

Dennoch stehen wir Bürger nun etwas ratlos da und fühlen uns übergangen und ausgeschlossen. Wie sollen wir uns mit unseren Sorgen und Anregungen künftig zeitnah Gehör verschaffen? Die Tagesordnung des Gemeinderats ist auf der extrem schlecht navigierbaren, unübersichtlichen Bürgerinformations-Webseite erst zehn Tage vor der jeweiligen Gemeinderatssitzung öffentlich auffindbar. Wie soll man da zeitnah reagieren?

Ich habe die Bürgerfragestunde bislang immer auch als eine Art Gradmesser dafür angesehen, was die Bürger der Stadt gerade bewegt.

Bislang haben sich Betroffene zu einem anstehenden Thema Gedanken gemacht, sich zusammengesetzt, kurze (pro Frage gibt es ohnehin nur zwei Minuten Zeit) Stellungnahmen oder Fragen ausgearbeitet, sich - manchmal zitternd - getraut, ans öffentliche Mikrofon zu treten und unter Nennung ihres Namens und ihres Wohnortes ihr Anliegen vorzubringen, die Räte zu bitten, vor ihrer Entscheidung noch einmal zuzuhören und abzuwägen.

Kochen allerdings Emotionen hoch, wie in jüngster Vergangenheit, könnte man diese Auswüchse wahrlich anders in den Griff bekommen, zum Beispiel mit deutlicherem Verweis und Umsetzung der zeitlichen Einschränkungen und/oder einer Art Nettiquette, Ordnungsrufen bis hin zu Saalverweisungen, wenn sich jemand während der anschließend laufenden Sitzung überhaupt nicht zurückhalten kann und oben auf der Tribüne stört. Das wurde in jüngster Zeit leider vernachlässigt, und umso deutlicher wurden dann die Auswirkungen. 

Jetzt mit einem generellen Maulkorb für aktuelle Themen zu reagieren, mag rechtlich einwandfrei sein und ist zu akzeptieren, halte ich persönlich jedoch für den falschen Weg. Denn ich als Bürgerin fühle mich nicht gesehen, nicht mitgenommen und nicht respektiert. 

Nun gut, es ist auf absehbare Zeit nicht zu ändern, da können wir uns ärgern, wie wir wollen. Die Entscheidung ist gefallen.

Aber dann, liebe Verwaltung und liebe Gemeinderäte, dann gebt uns bitte andere Möglichkeiten, uns ins Stadtgeschehen einzubringen, und zwar andere, als alle fünf Jahre unser Kreuzchen zu machen. Die schwindende Wahlbeteiligung ist ja ein Alarmzeichen für Politikverdrossenheit, das man nicht übersehen darf. Hier gilt es, aktiv entgegenzuwirken. Den Bürger mitnehmen, nicht links liegen lassen! Direkte Kommunikation wird doch auch vom Land gefordert!

Einwohner- oder Bürgerversammlungen wären zum Beispiel eine Möglichkeit, und zwar keine themenbezogenen Veranstaltungen zu Baumaßnahmen, sondern abendfüllende Veranstaltungen (ab 19 Uhr für die Berufstätigen) zur Lage der Stadt, ganz allgemein, rückblickend und vorausschauend: Was wurde im letzten Jahr wie und warum entschieden, was liegt als nächstes an, was ist die Meinung der Bürger? In anderen Bundesländern ist dies einmal im Jahr Pflicht, in Baden-Württemberg ein Soll. Also, warum machen wir das nicht in Baden-Baden? Dann aber mit live-stream, bitte!

Na gut, das ist wieder ein anderes Thema...

 
 
 
 

Sonntag, 30. November 2025

Sasha Koura - Künstlerin in Baden-Baden 2025

 

Kunst im Umgang mit materiellen Resten

und der Zuschreibung von Bedeutung

 

Deckel von Leitz-Ordnern, Papierreste, antiquarische Bücher – für die einen sind sie genau das: Ordner, Papier, Bücher. Für Sasha Koura aber sind sie Inspiration, und sie verwandelt sie in Kunst. Und das so erfolgreich, das sie der Titel „Künstlerin in Baden-Baden 2025“ verliehen wurde. Die Ausstellung ihrer Werke, die unter dem Titel „Von Schwelle zu Schwelle“ mit der Preisverleihung einhergeht, wurde heute im Alten Dampfbad am Marktplatz eröffnet und wird noch bis zum 25. Januar zu sehen sein.

Aber zurück zu … – ach, nehmen wir doch gleich die Leitz-Ordner, die in der Rotunde des Dampfbades zu sehen sind. Marmorierte Muster, Sternenhimmel, Trauer um Verstorbene – all das geht Sasha Koura durch den Kopf, wenn sie mit diesem Material arbeitet. Die gebürtige Londonerin, die seit 2010 in Baden-Baden lebt, wird nicht müde, von ihren Assoziationen zu sprechen, und wer ihr zuhört, versteht und sieht.  

 


Konzeptkunst braucht Anleitung, und deshalb können sich die Besucher der Ausstellung von einem gut verständlichen kleinen Faltblatt leiten lassen. In ihm werden die Themengebiete der Arbeiten Raum für Raum vorgestellt. In der Rotunde, wie gesagt, geht es um Andenken, im Florentinersaal um „das Fremde Heimat-Museum“, im Marktsaal unter dem Thema „Zeugnisse sind aussortierte und gefundene persönliche Dokumente gegen das Vergessen aufbewahrt... und so weiter.  

 


Pressetext:

„Ausgehend von Paul Celans gleichnamigem Gedichtband versteht Sasha Koura die Schwelle als zentrales Denkbild – als Ort des Dazwischen, des Unabgeschlossenen, des Fragilen. Ihre Arbeiten stehen in respektvollem Dialog mit Celans Verständnis von Dichtung als offenem, fragmentarischem Raum, in dem Sinn nicht festgeschrieben, sondern nur im Moment des Einlassens erfahrbar wird – durch das Nichtgesagte und das einfühlende Gegenüber.

In einer Gegenwart, die von Vereinfachung, Polarisierung und Bedeutungsüberfrachtung geprägt ist, setzt die Ausstellung auf eine Haltung der Offenheit und fordert dazu auf, sich fragilen Räumen des Übergangs bewusst auszusetzen. Sasha Koura nimmt diesen Gedanken auf und überträgt ihn in ihre künstlerische Sprache: Papierfragmente, Überreste und Fundstücke werden neu geordnet, geschichtet, fotografisch dokumentiert oder in fragile Konstellationen gebracht.

 


Die Künstlerin arbeitet häufig mit thematischen Sammlungen, die sie über längere Zeit fortführt. Eine dieser Werkgruppen, die in der Ausstellung gezeigt wird, ist die Serie Zeugnisse. Darin werden aussortierte persönliche Dokumente in den musealen Raum überführt – nicht als Archiv im eigentlichen Sinne, sondern als Reflexion über den Prozess des Archivierens selbst: über Auswahl, Aufbewahrung und Vergessen im Rahmen wechselnder Wertesysteme.

Eine weitere Sammlung, die in der GFjK erstmals ausgestellt wird, ist das Fremde-Heimat-Museum. Diese fortlaufende Werkgruppe versammelt Objekte und Dokumente zum Thema konstruierte Herkunft und imaginiert ein fiktives Museum aus einem Land jenseits von Zeit und Ortung. Die Sammlung spielt mit vertrauten Formen kultureller Erinnerung und lädt dazu ein, über Zuschreibungen von Identität, Geschichte und Fremdheit nachzudenken.“

 


Zur Person:

Sasha Koura wurde in London geboren, ihr Alter möchte sie nicht verraten. Sie absolvierte ihr Kunststudium am Chelsea College of Art in London und an der Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford. 2023 war sie Preisträgerin des Hanna-Nagel-Preises und 2024 Stipendiatin des Landes Baden-Württemberg an der Cité Internationale des Arts in Paris. Die Auszeichnung „Künstler/in in Baden-Baden“ wird seit vielen Jahren von der Stadt Baden-Baden in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde Junger Kunst verliehen.  

 


Zur Ausstellung:

Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag Sonntag und Feiertage 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

=> KLICK  

 






Montag, 24. November 2025

SPD Baden-Baden: Wir streiten - na und?

 

Ein Oberbürgermeister in der Klemme

und eine Partei mit zwei Meinungen 

 

Kleiner Aufreger der letzten Woche: Fraktion und Vorstand der SPD Baden-Baden sind sich beim Thema Oberbürgermeister nicht einig. Soll er zurücktreten oder sich in Ruhe auskurieren?

Zur Vorgeschichte: Der ehemalige parteilose Bürgermeister des 6000-Seelen-Dorfs Muggensturm Dietmar Späth wurde - nach einem amerikanisierten Wahlkampf und unterstützt von einigen Gastronomen sowie einer Person aus dem Rotlichtmilieu - im März 2022 zum Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden gewählt. Seitdem tat er sich in den Augen seiner Kritiker mehr durch seinen illustren Lebensstil denn als "Aktenfresser" hervor, und er geriet schon bald mit seinen einstigen Unterstützern in Konflikt. Ein Beleidigungssprozess vor dem Amtsgericht Baden-Baden und eine Buchveröffentlichung brachten im Sommer 2025 weitere pikante Details an die Öffentlichkeit. 

Seit August 2025 ist Späth (62) krankgeschrieben, vor kurzem hat er einen Antrag auf Dienstunfähigkeit gestellt und hat danach Anfang November mit 1,5 Promille betrunken einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem einer seiner luxuriösen Privatautos zu Schaden kam. Er kündigte durch seinen Anwalt an, Konsequenzen zu übernehmen, aber es tat sich nichts. Der Fall erregt bundesweit Aufsehen.

Das führte innerhalb des Gemeinderats zu unterschiedlichen Reaktionen; auch die SPD war sich nicht einig: Während die Fraktion sein Schicksal in die Hände des Regierungspräsidiums in Karlsruhe legte und auf eine baldige Entscheidung über die Dienstunfähigkeit hoffte, forderte zur gleichen Zeit der Vorstand der SPD seinen Rücktritt. Diese Uneinigkeit schlug in der Stadt hohe Wellen. 

Ich habe mich als Beisitzerin des Vorstands mit einer rein persönlichen Video-Botschaft zu Wort gemeldet. Denn mal ganz ehrlich: Wo Individualisten um das Wohl einer Stadt ringen, darf es doch auch Meinungsverschiedenheiten geben. Nicht ist für die Bürger fataler als der Eindruck, es werde alles hinter verschlossenen Türen abgemacht, bzw. nach außen glattgebügelt. 

Und am Ende werden wir schon einen gemeinsamen Weg finden.

 



Webseite der SPD Baden-Baden mit beiden Statements => KLICK 

Beitrag des SWR zum Fall Späth =>  KLICK

 


Sonntag, 23. November 2025

Hindenburgplatz, 1. Phase (Kaiserbrücke)

 

Nach der Baustelle

ist vor der Baustelle

 

Das ging ja fix! Bald ist die erste Bauphase der Großbaustelle Hindenburgplatz abgeschlossen, und Baudezernent und erster Bürgermeister Alexander Wieland nahm dies zum Anlass, mehr als zwei Dutzend interessierte Bürger am Freitag in sonniger Eiseskälte auf den neuesten Stand zu bringen: Denn nach der Baustelle ist vor der Baustelle, und Nummer zwei wird es in punkto Zeit und Verkehrsführung in sich haben.

 

Hat gut lachen: Alexaner Wieland zum ersten Bauabschnitt Hindenburgplatz

Aber kurz zurück zur Kaiserbrücke, die seit Frühjahr für Umleitungen und Ungemach sorgte, aber eigentlich in relativ „kurzer“ Zeit von unten und oben erneuert wurde. Sie erhielt über den Sommer eine neue mittragende Stahlbetonplatte, und am Rande zur Wohnbebauung wurden sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert: Fernwärme, Glasfaser, Wasser, Strom, alles ist nun auf dem neuesten Stand und soll die nächsten 100 Jahre halten. Wenn jetzt noch das Wetter trocken bleibt, werden noch die letzten Restarbeiten erledigt und eine schützende Asphaltschicht aufgetragen, und dann kehrt hier erst mal (Weihnachts-)Ruhe ein.  

 

Vincenz Wienk-Borgert (links) und Alexaner Wieland erläutern den Bauplan

Ruhe nur für die Autofahrer, nicht aber für den Stab an städtischen Mitarbeitern, die nun alles andere als die Hände in den Schoss legen können. Chefplaner Vincenz Wienk-Borgert vom Tiefbauamt erläuterte, was als nächstes passiert, nämlich erst mal ...nichts. Jedenfalls nichts Offensichtliches. Ausschreibungen werden vorbereitet für den zweiten, weitaus schwierigen Teil der Großbaustelle. Denn der Hindenburgplatz besteht ja aus zwei Brücken, und nach der relativ unkomplizierten Kaiserbrücke kommt der große Brocken, die Luisenbrücke. 70 Meter ist sie lang, sie erstreckt sich also vom Absperrgitter der jetzigen Baustelle bis ganz nach hinten zu den Fahnenmasten Richtung Kurhaus, also bis zur Kreuzung Albrecht-Dürer-Straße. 

 



Da geht dann nichts mehr für die Autofahrer, und das auch noch für eine extrem lange Zeit: Bis Mitte 2028. Wenn alles gut geht! Aber dieses Zeitfenster ist mit vielen, auch wetterbedingte Fragezeichen behaftet. Das fängt schon mit dem Baubeginn an: Der Startschuss darf nämlich erst fallen, wenn die seltenen Wasserfledermäuse unter der Brücke herbstbedingt freiwillig ausgeflogen sind, also vielleicht ab September 2026. „Wir kommen dann in eine Winterbaustelle“, sagte Bürgermeister Wieland, und es war ihm anzusehen, dass er darüber nur minimal begeistert ist. 

 

Was im Plan grau eingezeichnet ist, wird später eine Asphaltdecke haben, der Rest des Platzes wird gepflastert

Was uns alle am meisten interessiert: Wie wird dann der Verkehr geführt?

Nun, bis August 2026 bleibt alles wie bisher, und danach – gute Nachricht!, kann man wieder wie gewohnt über die Lange Straße in die Fußgängerzone (und zur Kaufhaus-Garage Wagener) einfahren. Stadtauswärts ändert sich bis August 2026 auch erst mal nichts, danach geht es für ein Jahr über die Kaiserallee und den Leopoldsplatz, evtl. auch über die Kurhausgarage, stadtauswärts. Ganz wichtig: Es wird keine Vollsperrung geben.

Mit anderen Worten: Es wird machbar sein, und so waren auch die Gemüter der interessierten Bürger am Freitag nachmittag beruhigt. Zum Abschluss gab es sogar herzlichen Applaus für das Bemühen des Bauamtes.

Applaus also - und viel Optimismus, bitteschön: Hoffen wir, dass die Vorschusslorbeeren nicht auf der (Umleitungs-)Strecke bleiben!

Mehr zum Hindenburgplatz auf der städtischen Webseite => KLICK 

Und es gibt eine Mail-Adresse für Fragen:   hindenburgplatz@baden-baden.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Lothar Droll

 

Für schmerzgeplagte Füße

der Retter in der Not 

 

Er ist einer jener „Geheimtipps“, die unsere Stadt so liebenswert machen. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als er, angetan mit einer dunkelgrünen Schürze, vor seinen Laden in der Lange Straße (heute ein Tatoo-Studio) trat, gemütlich lächelnd in die Sonne blinzelte, und nahezu jeden, der vorbeikam, freundlich grüßte. Und jede/r grüßte zurück. Denn „man“ kannte ihn, beziehungsweise kennt ihn immer noch, den zuvorkommenden, netten Orthopädie-Schuhmacher Lothar Droll.

 


Seit 1927 gab es das Orthopädie-Schuhgeschäft in der Fußgängerzone (die natürlich damals noch keine war) schon, ab 1967 war es im Familienbesitz der Drolls. Erst der Vater, dann, ab 1993, der Sohn. Was gab es dort nicht alles: Orthopädische Schuhe natürlich, hilfreiche Einlagen für alle diejenigen, die nicht so gut zu Fuß waren, aber auch Maßschuhe für die, denen die Einlagen nicht ausreichten, und selbstverständlich konnte man seine Schuhe und Stiefel, egal in welchem Zustand sie oder ihre schiefen Absätze waren, vertrauensvoll zur Reparatur bringen. Ganz zu schweigen vom „Renner“, der auch Außenstehende, Passanten und Touristen in seinen Laden lockte, denn bei Lothar Droll fand man, was geplagte Füße wünschten: Bequemschuhe von ausgesuchten Herstellern. Die passten garantiert, das habe ich am eigenen Leib (beziehungsweise Fuß) ausprobiert. Lang ist es her und immer wieder flackerte bei vielen die Sehnsucht auf, ein ähnlich bequemes Paar zu finden. Aber das wurde zunehmend schwieriger, denn Ende 2012 war Schluss mit den Wohlfühlfüßen: Lothar Droll schloss seinen Laden ab, endgültig, und räumte das Geschäft – aus gesundheitlichen und privaten Gründen. Manchmal braucht das Leben eben einen Wendepunkt. 

 

So einen Meisterbrief kann man an den Nagel hängen, muss man aber nicht!

Sortiment und Werkstatt lagerte er ein und träumte vom schönen Leben - und sang im Männergesangverein. Aber die ehemaligen Kunden machten da nicht mit! Sie ließen ihn einfach nicht in Ruhe. Wo immer der stadtbekannte Baden-Badener auch ging und stand oder sang, wurde er von seinen treuen Ehemaligen angehalten: „Kannst du nicht bitte..., würdest du bitte..., das geht doch nicht ohne dich....“

Und – steter Tropfer höht den Stein! Acht Jahre später, 2020, baute er seine Werkstatt eher bescheiden und nahezu unbemerkt in Lichtental wieder auf, in einem rosafarbenen Anbau der Firma Bauer, in der Beuerner Straße 145. Dorthin pilgern nun seine alten Kunden auf ihren schmerzgeplagten Füßen (oder mit dem Bus, Haltestelle direkt vorm Haus) mit ihre Wünschen nach Reparaturen, Einlagen und Maßanfertigungen. Ein Hoch auf die Mund-zu-Mund-Propaganda, denn Webseite oder Öffnungszeiten gibt es nicht, telefonische Ankündigung wäre also angebracht.

Vorbeischauen lohnt sich, und ist eine nette Gelegenheit, sich dabei in einer originalen Handwerker-Werkstatt umzusehen. Ein freundliches Lächeln und gute Worte gibt es kostenlos obendrauf, wetten?  

 




Hier seine Kontaktdaten: 

Werkstatt: Beuerner Str. 145 (Bushaltestelle Spörsigweg) 

Mail: Lothardroll@t-online.de

Mobil: 0171 6969 605 (auch WhatsApp)