Freitag, 29. August 2025

Neue Ära in der staatlichen Kunsthalle

Floraler Willkommensgruß zwischen

antikem Salbtopf und digitaler Fantasie


Alt + neu – Kunst + Objekt – Baden-Baden + Karlsruhe. Alles in einen Topf? Wie soll das gehen? Wie kann die innovative und manchmal auch provokativ sehr herausfordernd abstrakte freie Kunst, die in den letzten Jahren in der Kunsthalle gezeigt wurde und für große Aufregung sorgte, mit der behäbigen altmodisch-historischen Objekt-Ausstellung eines badischen Landesmuseums vereint werden? Kann das funktionieren?  

 


Auf der heutigen Pressekonferenz in der staatlichen Kunsthalle wurde deutlich, dass es klappen könnten, ja, auch klappen muss. Denn die Zusammenarbeit der beiden gegensätzlichen Häuser ist beschlossene Sache, jetzt geht es nur noch um das Wie. Wohin der Weg der Gegensätze führen kann, ist vorgegeben: nämlich „zusammen“.

Und tatsächlich: Die handelnden Personen scheinen sich friedlich und konstruktiv zusammengerauft zu haben, sie präsentierten sich heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in vollster Eintracht und gegenseitiger Wertschätzung, und, was noch wichtiger für Baden-Baden ist: Sie hatten bereits Konzepte für die ersten zwei großen Ausstellungen im Gepäck, und man merkte ihnen an, dass sie sich gerne auf die Herausforderung eingelassen haben.

 


Am Podium die handelnden Personen: in der Mitte Direktor Prof. Dr. Eckart Köhne und die kaufmännische Direktorin Susanne Schulenberg, rechts: Christiaan Verdman, der Kurator des Badischen Landesmuseums und die leitende Kuratorin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, links: Christina Lehnert. Im Publikum nicht nur die Presse, sondern auch Vertreter/innen der Bürgerschaft, sprich: verschiedener Institutionen, allen voran der Museumsmeile, Stadtbibliothek, des Tourismus, der Schulen... und natürlich viel Wohlwollen.

Es muss ja weitergehen, denn das Landesmuseum schließt demnächst wegen Umbaus für mindestens fünf Jahre und suchte ein neues Zuhause, die Kunsthalle hatte zur gleichen Zeit mit schrumpfenden Besucherzahlen zu kämpfen, da lag das Experiment eines vorübergehenden Zusammenschlusses nahe. Es wird also weitergehen, und das besser als gedacht, so sieht es jedenfalls aus.

Der Spagat zwischen den komplett unterschiedlichen Ausrichtungen der beiden Häuser beginnt im Juni 2026 mit einer ersten gemeinsamen Ausstellung zum unverfänglichen Allround-Thema Blumen, oder, wie der Arbeitstitel lautet „Bloom up! Die Sprache der Blumen“; im Jahr darauf beschäftigt sich das Haus mit dem Motto „Kunst?Werk!“ Beide Ausstellungen werden die kreative, zeitgenössische Handschrift der hiesigen Kuratorin Christina Lehnert tragen. Beim Thema „Blumen“ wird Christiaan Verdman aus dem Haus Karlsruhe gegenständliche Stücke wie ein Salbgefäß aus 390 vor Christi oder den Deckelbecher eines Durlacher Goldschmieds aus dem 18. Jahrhundert und einen Wirkteppich aus dem Jugendstil beisteuern, soviel steht bereits fest. Der Bogen soll sich vom altägyptischen Lotus bis zur digitalen Blütenfantasie spannen; die Ausstellung solle ein „multisensorisches Erlebnis“ sein, hieß es.

Auch nach außen hin wird die Verwandlung sichtbar werden: Man wird im nächsten Frühjahr auch dem Café Kunsthalle wieder ein neues Gesicht geben – diesmal mit einer Verbesserung der Akustik, war zu hören.

Bis Sommer nächsten Jahren laufen noch die bisher konzipierten Ausstellungen in der Kunsthalle weiter. Ab 10. Oktober ist eine Hommage an 70 Jahre Künstlerbund Baden-Württemberg zu sehen, und ab Februar eine Werkschau der Künstlerin Katharina Wulff.

Weitere Infos:

Kunsthalle => https://kunsthalle-baden-baden.de/

Badisches Landesmuseum =>  https://www.landesmuseum.de/museum

Christina Lehnert => https://www.kunstforum.de/nachrichten/christina-lehnert-kuratiert-goeteborg-biennale-2025/

Christiaan Veldman =>  https://www.codart.nl/guide/curators/christiaan-veldman/

Monopol-Magazin über die Umnutzung => https://www.monopol-magazin.de/kunsthalle-baden-baden-soll-nicht-dauerhaft-geschlossen-werden