Dienstag, 19. September 2023

Zuschuss für Mahlzeitendienst

 

Essen auf Rädern kann weiterrollen

Oft der einzige Kontakt am Tag


Wenn alte, kranke oder behinderte Menschen in Not sind und Hilfe brauchen, sollte man sie ohne zu zögern nach besten Kräften unterstützen. Das gilt ganz besonders, wenn es darum geht, sie täglich mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Nur so ist es diesen Menschen möglich, so lange wie möglich eigenständig in ihrem Haushalt zu leben, und die Alternative „Heimunterbringung“ bei exorbitanten Belastungen der Sozialkasse so lange wie möglich zu vermeiden. Doch es geht nicht nur um nackte Zahlen: Oft genug ist der Bote, der oder die diesen Menschen das Essen bringt, die einzige Person, mit der sie am Tag Kontakt haben. Sie leben in der Regel allein, sind alt und schwach, oftmals sind sie in ihren Bewegungen eingeschränkt oder leiden an beginnender Demenz, so dass es ihnen nicht möglich ist, sich regelmäßig etwas zu kochen oder sich eine fertige Mahlzeit aushäusig zu kaufen oder gar Essen zu gehen.

Also kommt das Essen eben zu ihnen. Und dabei geht nicht um reine Nahrungslieferung, denn der Bote oder die Botin bringt nicht einfach nur eine warme Mahlzeit vorbei, sondern spricht kurz mit ihnen und sieht nach, ob alles in Ordnung ist. Was für eine segensreiche Einrichtung! 

 



„Mahlzeit auf Rädern“ ist eine Aktion, an der sich seit weit mehr als 20 Jahren in Baden-Baden Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Rotes Kreuz und Diakonisches Werk gemeinsam beteiligen. Vergangenes Jahr nahmen 140 Kunden dieses Angebot in Anspruch, monatlich wurden rund 3700 Essen ausgeliefert, ehrenamtlich zumeist, oder durch geringfügig Beschäftigte. Die Kunden zahlen 8,50 Euro pro Mahlzeit, und bis Ende 2021 war dies kostendeckend. Jetzt aber, durch die Erhöhung des Mindestlohns und gestiegene Sachkosten bei den Fahrleistungen, erwarten die Sozialverbände ab 2023 ein kräftiges Defizit von 23.300 Euro, obwohl sie sich selber mit Eigenmitteln von 6000 Euro an der Aktion beteiligen. Schon im vergangenen Jahr hatte man 20 000 Euro Verlust gemacht, und daher hatte man nun bei der Stadtverwaltung den Antrag gestellt, das Defizit von 2022 in Höhe von 23 300 Euro, und die künftigen Defizite pro Jahr mit rund 20 000 Euro auszugleichen.

So ganz machte die Verwaltung bei dieser Forderung allerdings nicht mit und hatte im Juli dem Sozialausschuss vorgeschlagen, das Defizit für das vergangene Jahr nur mit 13 000 Euro zu bezuschussen. Dies stieß allerdings auf Widerstand bei SPD und Grünen. Für Werner Henn (SPD) ist Mahlzeit auf Rädern „kein Luxus, sondern eine Dienstleistung an Menschen, die diese dringend benötigen“, und daher stellte er zusammen mit Thomas Gönner (Grüne) den Antrag, auch für 2022 das gesamte Defizit auszugleichen, also 23 300 Euro zu bewilligen. Der Sozialhilfeausschuss stimmte bei einer Enthaltung einstimmig zu.

Gestern nun wurde das Thema im Hauptausschuss behandelt. Eigentlich nur eine Formalie, aber Rolf Pilarski (FDP) war es anzumerken, dass ihm das Thema nicht schmeckte. Schon vor der Sitzung blaffte er Stadtkämmerer Thomas Eibl an. „Mann, Sie geben das Geld ja mit vollen Händen aus“ und grollte vernehmlich und kopfschütttelnd über 23 000 Euro „reines Essensgeld“. Während der Sitzung monierte er zunächst, dass ein solcher Zuschuss die Sozialverbände ja geradezu ermuntern würde, nicht mehr kostengünstig zu wirtschaften. Dann rechnete er den erstaunten Ausschussmitgliedern vor, dass, wenn 3700 Essen an 140 Personen ausgegeben würden, dies für einen allein 26 Mahlzeiten am Tag bedeuten würde – ohne allerdings zu berücksichtigen, dass die Anzahl der Essen sich auf den Monat bezog.

Auch die Verwaltung war angesichts solcher Rechenexempel sprachlos und verwies darauf, dass man das Thema im Sozialausschuss (in dem jedes interessierte Gemeinderatsmitglied übrigens jederzeit zuhören darf) ausführlich besprochen habe, und die Verwaltung nun in der verzwickten Situation war, einen Beschlussvorschlag verteidigen zu müssen, den sie selbst so gar nicht ausgearbeitet hatte. Nun war dies jedoch im Sozialhilfeausschuss einvernehmlich beschlossen worden, der Kämmerer sicherte zu, die Summe aufbringen zu können – ergo gab es auch im Hauptausschuss nichts mehr groß zu diskutieren. Am Ende folgte daher auch hier selbstverständlich einhellige Zustimmung zur guten Sache – wenn auch natürlich bei einer Enthaltung.