Mittwoch, 14. Januar 2026

Das Burda-Museum 2026 und darüber hinaus

 

Nach dem Riesenerfolg von Liebermann

kommen Fotorealismus und viel Farbe

 

Eigentlich sollte gestern in der Medienkonferenz des Burda-Museum die Zukunft im Mittelpunkt stehen, nämlich; welche Ausstellungen werden dem „Impressionismus in Deutschland“ folgen?

 

Haben allen Grund zur Freude: Der künstlerische Direktor des Burda-Musums, Dr. Daniel Zamani (links), und der kaufmännische Direktor Florian Trott (rechts) 

Eigentlich! Aber dann holte der Erfolg die beiden Macher Florian Trott und Dr. Daniel Zamani ein, denn die Liebermann-Ausstellung sprengt alle Rekorde der letzten Jahre: Allein die Zahlen, die der kaufmännische Direktor, Florian Trott, verkündete, sprachen für sich: 135.000 Besucher im vergangenen Jahr, das ist eine Steigerung um 20 Prozent! Und in der derzeit laufenden Liebermann-Ausstellung erwartet man noch diese Woche den 70.000sten Besucher. 85.000 werden es vermutlich bis Ende der Laufzeit am 8. Februar sein.  

 


Und noch ein Superlativ: Zählte man bislang durchschnittlich 30 bis 40 Gruppenführungen pro Ausstellung, so wurde das Museum bei Liebermann regelrecht überrannt: 480 Gruppenführungen bis jetzt, also das Zehnfache! Und die Menschen streifen nicht flüchtig umher, sondern sie bleiben und genießen, zweieinhalb Stunden in der Regel, und nahezu jeder Individualbetrachter leiht sich den Audio-Guide aus, auch der Katalog geht reißend weg, vermutlich ist Anfang Februar nur noch ein kleiner Rest der zweiten Auflage verfügbar.

Das alleine hätte eigentlich schon eine Presse-, bzw. Medienkonferenz gerechtfertigt. Aber man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Direktoren sich keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruhen wollen und Riesenapplaus erwarten, sondern kontinuierlich und mit extremer Begeisterung und Hingabe in die Zukunft sehen. Bis 2030 seien bereits alle Ausstellungs-Vorbereitungen getroffen und zum großen Teil bereits abgeschlossen, berichtete Schnellsprecher Zamani, und das entlockte ihm denn doch ein kleines, stolzes Lächeln.

Alles werde dem Profil des Hauses gerecht, verriet der künstlerische Direktor, Schwerpunkt wird wie gewohnt das 20. Jahrhundert sein, besonders auch die Frankreichliebe des Museumsgründers Frieder Burda, die Pariser Avantgarde und die New-York-School – die DNA des Hauses ist vorgezeichnet und wird auch weiterhin so beibehalten, versicherte Zamani, dessen Ehrgeiz es sein wird, aus dem Museum heraus deutliche Impulse für die Stadt und überregional zu setzen.

 


Im kleinen Verwaltungsraum des Museum, der gestern als Meetingpoint für die Presse fungierte, konnte man bereits einen Blick auf die Modelle werfen, an denen die Hängung für die Ausstellung von 2027 zu sehen war. „Europa im Pop-Fieber“ wird sie heißen und sich mit Werken von Erró bis Sigmar Polke beschäftigen, und dabei auch zahlreiche Werke aus dem museumseigenen Fundus zeigen.  

Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal geht es ab 28. Februar 2026 mit dem Fotorealismus weiter, also quasi einem Wettstreit mit der Wirklichkeit. Ist das Fotografie, oder ist es ein Gemälde? Das werden sich die Besucher so manches Mal fragen, wenn sie die kommende Ausstellungen betreten. Banale Motive aus dem amerikanischen Alltagsleben werden zu sehen sein, und es ist auf den ersten und zweiten Blick nicht zu erkennen, dass es eben keine Fotografien sind. Neben zehn Werken aus dem Bestand Frieder Burda sind 95 weitere, zum Teil weltberühmte Werke aus 20 Sammlungen zusammengetragen worden, der Rahmen reicht von den 60er Jahren bis zu zeitgenössischer künstlerischer Praxis, einige Arbeiten wurden sogar extra für diese Ausstellung in Baden-Baden angefertigt. Autos, Stillleben, Figurendarstellung, Cadillacs, eingewickelte Lutscher (Candy paintings), Architektur, ein bunter Mix wird die Zuschauer begeistern. Das Mezzanine wird übrigens Karin Kneffel gewidmet werden, die Meisterschülerin von Gerhard Richter hat diesen Bereich persönlich kuratiert und wird die Hängung auch persönlich vornehmen. Dies nur als kleiner Appetitanreger, es wird zum Beginn der Ausstellung ganz sicher einen weiteren ausführlichen Bericht geben.  

 


Ab 15. August bis zum 10. Januar 2027 ist dann Fantasie, Staunen und sinnliches Erleben von Farbe Mittelpunkt einer Schau von Werken des international renommierten ungarnstämmigen Künstlers Simon Hantaï, der sich in seiner zweiten Heimat Paris vornehmlich mit den Werken von Jackson Pollock auseinandersetzte, aber die Farbe nicht auf am Boden liegende Leinwände tropfen ließ, sondern die Leinwand faltete und dann mit Öl-oder Acrylfarbe bedeckte. Monumentale Arbeiten sind dabei herausgekommen, 40 davon werden im Museum Frieder Burda gezeigt, und Zamani versprach ein intensives Erleben der bis zu fünf Meter großen Bilder, die sich perfekt in die weißen Räume des Richard-Maier-Baus einfügen werden und die eine regelrechte Sogwirkung auf die Betrachter ausüben werden: „Man will nah herangehen, bis man das Gefühl hat, die Farbe tropft auf einen drauf.“

Wir können uns also auf großartige Spektakel freuen, und besonders erfreulich ist, das das Burda-Museum bei all dem immer Blick behält, wo es sich befindet. Die Zusammenarbeit mit der Museumsmeile wird weiter intensiviert, die Stiftung werde sich auf weiterhin in Sachen Stadtmuseum engagieren, freue sich auf die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle und werde genau beobachten ,wie es mit dem LA8 weitergeht, das sich gerade in unruhigen Fahrwassern befinde, weil seine Zukunft als Welterbestätte unsicher sei. Auf jeden Fall soll es eine Wiederaufnahme des Museumsfestes geben, das dieses Jahr in Zusammenarbeit mit allen vier Häusern der Museumsmeile ein riesiger Erfolg war.

Das sind doch mal Aussichten für Baden-Baden, die wir alle gerne zur Kenntnis nehmen!

Mehr Informationen: =>   Webseite Museum Frieder Burda