Sonntag, 3. Dezember 2023

Sonderausstellung im Stadtmuseum: Auf-, Ab-, Umbruch

 

Eine Reise in die Vergangenheit

Die Goldenen Fifties und Sixties



Stolz auf unsere Stadt? Aber natürlich, jeder echte Baden-Badener ist das!

Und nun gibt es märchenhafte 1001 Gründe mehr, noch ein bisschen stolzer zu sein – denn gefühlt mindestes so viele Gründe hat das Stadtmuseum für die neue Ausstellung zusammengetragen, die an die glorreichen Zeiten der 50er und 60er Jahre erinnert, als unser Städtchen Mittelpunkt der glamourösen, sportlichen und politischen Welt zu sein schien und auch sein verschachteltes Puppenhaus-Outfit abstreifte und kühne Bauvorhaben verwirklichte. Es gibt viel zu sehen, zu staunen und zu erinnern. 

 


Wo fangen wir an, wo hören wir auf?

Ich hatte das Glück, an einer kleinen, aber feinen Führung mit der Kuratorin Dr. Katja Mikolajczak teilzunehmen, die dritte und letzte für dieses Jahr, aber ich hoffe, weitere werden folgen. Eine Stunde war dafür angesetzt, und ich muss sagen, das reicht nicht! Niemals! Wir sind an diesem Novemberabend nur wenige, drei Frauen und ein Mann – klar, dass die Mehrheit sich den Beginn der Tour im Glamour-Teil der Ausstellung wünschte. 

Der ist im Erdgeschoss, im großen Glaspalast, aufgebaut. Der SWF, so erfahren wir, war besonders hilfreich, den Ruf unserer Stadt zu mehren und zu polieren. Mondäne Events wurden veranstaltet, und prominente Gäste folgten dem Lockruf der Reichen und der Schönen.

 


Was es nicht alles gab: „Der Goldene (drunter geht es ja nicht!) Stern von Baden-Baden – eine Automobil-Show, die die Zeitschrift „Stern“ 1964 an der Oos veranstaltete, macht den Anfang. Hingucker dafür ist das knallrote Goggomobil, gleich am Eingang der Halle prominent platziert. Man kann sich drehen und wenden und Schritte vor und zurück machen – überall stolpert man über bekannte Gesichter und Namen:

 

links oben: Gitte auf dem Schoß von Marlene Dietrich

Die deutschen Schlagerfestspiele fanden 1961 bis 1966 in Baden-Baden statt, mit Caterina Valente, Marlene Dietrich, Gitte und Wencke Myrhe und, und, und.. Johannes Heesters nicht zu vergessen, von dessen Auftritt im Kurhaus ein Youtube-Video zeugt => https://www.youtube.com/watch?v=LywZHnX9zZ4

Und weiter geht es zum nächsten Top-Ereignis: Blues und Jazz-Festival. Miss-Germany-Wahl. Amateur-Modeschau „Nadel-Prinzess“. Schlag auf Schlag ging das.

 


Auch die Polit-Prominenz zog es in unser Städtchen: Der Schah mit Soraya, die die Bevölkerung viel mehr interessierte als die politischen Verhältnisse in deren Land. 

 


Das historischeTreffen zwischen Adenauer und De-Gaulles als Vorbereitung für den Élysée-Vertrag. Hier ein Bericht der BNN zum historischen Treffen => https://bnn.de/mittelbaden/baden-baden/in-baden-baden-bauten-charles-de-gaulle-und-konrad-adenauer-am-fundament-europas-weiter

 


Und dann das Theater: Viele Berühmtheiten der damaligen Zeit standen bei uns auf der Bühne! Erkennen Sie sie? Lieselotte Pulver! Harald Juhnke. Theo Lingen. Um nur einige zu nennen, die damals in Baden-Baden glänzten.

Übrigens stand es Ende der 40 Jahre nicht gut für das Theater: Es gab Überlegungen das eigene Ensemble aufzugeben. Zum Glück erkannte aber der damalige SWF, wie wichtig es war, dass seine Mitarbeiter auch bei den hiesigen Theateraufführungen mitwirkten, und so bot man der Stadt finanzielle Unterstützung an. (Persönliche Anmerkung: Davon kann die heutige Intendantin Nicola May ja nur träumen, hat der Gemeinderat doch kürzlich bei den Haushaltsberatungen beschlossen, ihr keine der dringend benötigten, zusätzlichen Stelle (eine Hauptamtliche, zwei Halbtagsstellen) zu genehmigen, nicht einmal eine halbe. Und niemand eilt ihr zu Hilfe, im Gegenteil, der heutige SWR will nun auch noch den Fundus verscherbeln, aus dem das Theater sich bislang gern bedient hat. => https://bnn.de/mittelbaden/baden-baden/swrswr-fundus-werden-deutlich-verkleinert-antwort-auf-rasanten-wandel-der-medienbranche-standort-saarstrasse-in-baden)

Zurück in die 60er Jahre. Hier Romy Schneider am Theater Baden-Baden (in einer französischen Rolle) => https://www.ardmediathek.de/video/swr-retro-abendschau/romy-schneider-zum-ersten-mal-auf-einer-deutschen-buehne/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExNjg2MzQ



Weiter geht der Rundgang, vorbei an Fotos aus dem weltschönsten Casino, das nach dem Krieg nicht wiederzuerkennen war, als die französische Besatzungsmacht im Florentinersaal ihr Quartier aufschlug, und zur Verwaltung gehören nun mal auch endlose Aktenschränke. Zum Glück konnte das später zurückgebaut werden, und der Spielbetrieb startete wieder.

 


 


Weiter geht es ins Dachgeschoss des Museums, wo den Veränderungen im Stadtbild breiter Raum gegeben wird. 

 

 


Ach, seufz.. Nicht alle Entscheidungen der damaligen Zeit waren gut! Hier das gute alte Augustaplatz! Abgerissen, um mehr Weite zu bekommen. Was für ein Jammer!

Und wer erinnert sich noch, wie das Vogel-Hardweg-Gelände oberhalb des Batschari früher aussah? Dort stand einmal unsere Stadthalle!

 




Erinnert sich noch jemand an das Café Corso? Hier stehen Originalmöbel, auf denen man sich gerne niederlassen kann. Kaffee wird zwar nicht serviert, aber vielleicht werden mit anderen Besuchern alte Geschichten ausgetauscht.

 


Und nun lasse ich einfach die Bilder sprechen. Memories, Erinnerungen! „Ach ja, schön war's!“, wird nun so manche/r Leser/in seufzen. 

 


 

 



 


 


Übrigens: Wer noch Fotos von damals in der Schublade hat – das Museum würde sich über Leihgaben freuen. Es gibt extra eine Pinnwand dafür!



Zum Schluss gebe ich zu bedenken, dass ich hier auf meinem Blog nur einen winzig kleinen Überblick geben konnte über all die Schätze, die das Museum zusammengetragen hat.

Ein Besuch lohnt sich! Ach was, einer wird zu wenig sein. Weitere Besuche bieten sich an. Ich empfehle, mit mehreren hinzugehen und sich über die eigenen Erlebnisse aus jener Zeit auszutauschen. Die Ausstellung wird bis 4. August 2024 gezeigt.

 


Ein Flyer ist in Vorbereitung, Führungen werden zurzeit nicht angeboten, aber die Informationen sind selbsterklärend genug. Nur muss man wissen, dass und wo man nach etwas versteckten QR-Codes (kleines Fernsehgerät) suchen muss, um ergänzend Originalbeiträge des SWF zu bestimmten Themen abspielen zu können. Kopfhörer fürs Handy mitzunehmen, wäre nicht schlecht.

Eine schöne, eigene Webseite gibt es leider nicht, auch für eine Audio-Tour ist die Masse an Informationen nicht geeignet. Aber man kann sich das Baden-Badener von „anno dazumal“ wunderbar selbst erobern. Ein richtig großer Spaß, auch für Leute, die die 50er und 60er in Baden-Baden nicht selber miterlebt haben. Ich werde wiederkommen!

Öffnungszeiten: Täglich außer montags 11 bis 18 Uhr.

Eintritt 5 Euro (für Kinder, Jugendliche und Familien gibt es Ermäßigungen)

=> https://www.baden-baden.de/stadtportrait/kultur/stadtmuseum/