Dienstag, 13. November 2018

Baden-Baden-hilft.de


Neustart für die Online-Spendenplattform
Für alle Vereine, die Unterstützung brauchen

600 Vereine gibt es in der Stadt, fast jeder zweite Baden-Badener ist nach einer Umfrage ehrenamtlich tätig. Das sind Zahlen, die für eine Stadt unserer Größe ungewöhnlich sind. Und so ist es nur folgerichtig, dass man sich nicht nur seitens der Verwaltung viele Gedanken macht, wie man diese Ehrenamtlichen fördert, ehrt aber auch neue Freiwillige gewinnt. Denn gerade bei einer so großen Anzahl an Vereinen kommt eine Stadt mit begrenzter Einwohnerzahl schnell an ihre Grenzen, immer wieder werden Freiwillige gesucht, die in den Vereinen Ämter übernehmen, aber kaum jemand ist heutzutage noch bereit, sich im Ehrenamt langfristig zu binden. Kurzfristiges Engagement ist einfacher zu rekrutieren.

Deshalb hat sich die Bürgerstiftung schon vor 12 Jahren Gedanken gemacht, wie man die Kräfte besser bündelt – 2006 wurde die Ehrenamtsbörse aus der Taufe gehoben, gehegt, gepflegt und immer weiterentwickelt. 2016 wurde sie in eine online-Plattform umgewandelt, die es unter dem Namen „Baden hilft“ den Vereinen nicht nur ermöglichte, Zeitspenden zu sammeln, sondern auch um Geld- und Sachspenden zu bitten. 

Hier geht es zu meinem Blogeintrag über den Start jener Seite => 
KLICK

Die Pflege der Seite war extrem zeitaufwendig, und dann kam noch das allgemeine Desaster mit der neuen Datenschutzverordnung dazu – das war dann selbst dem umtriebigen Justus Kindermann von der Bürgerstiftung zu viel, der das "Baby" persönlich entwickelt hatte. 


Justus Kindermann mit ersten Entwürfen zur Seite...


Achtung, copyright!


Aber auch er machte das alles natürlich ebenfalls ehrenamtlich und stieß nun an seine Grenzen. Die Folge: Die Seite wurde bereits ein Jahr später eingestellt. Was für ein Jammer!

Nun aber hat sich alles zum Guten gewendet. Die Stadt Baden-Baden hat die guten Zeichen der Zeit erkannt, und man hat eine neue Stelle geschaffen: Seit Sommer hat Baden-Baden eine „Ehrenamtsbeauftragte“, Ricarda Feurer. Die ausgebildete Sportmanagerin ist gebürtige Baden-Badenerin und nahm die Aufgabe von der ersten Minute sportlich. 

Sie kontaktierte alle Vereine, was sich als durchaus mühsam erwies, weil manche völlig veraltete Webauftritte haben und einige der dort verzeichneten Ansprechpartner zum Teil schon verstorben sind, aber das bremste ihren Elan nicht. Gerne und tatkräftig nahm sie auch die Ehrenamtsbörsen-Plattform der Bürgerstiftung unter ihre Fittiche! Zunächst wurde die Webseite neu mit dem Internetauftritt der Stadtverwaltung verlinkt, denn nicht nur der Betreiber ändert sich nun (Ricarda Feurer will die Seite in Eigenregie pflegen), auch der Name wurde den Gegebenheiten angepasst, und wie im historischen Vorbild bekam das Baden ein weiteres Baden zu Seite gestellt, so dass der Auftritt nun „Baden-Baden-hilft“ heißt. Wer heute draufklickt, wird allerdings vielleicht enttäuscht sein – noch stehen nicht viele, bzw. keine Anfragen auf der Seite, obwohl die Vorgängerseite gut gefüllt war. Aber diese Inhalte lassen sich halt – Achtung: Datenschutz! - nicht so einfach von A nach B tragen. Aber das wird sich schnell ändern, und schon heute, einen Tag nach der gestrigen Pressekonferenz, sind die ersten Suchanzeigen online.


Seite Seite "über uns" auf der neuen Plattform


Wie wichtig der Stadt das Thema Ehrenamt ist, zeigte sich auch daran, dass Oberbürgermeisterin Margret Mergen es sich nicht nehmen ließ, selbst zur Pressekonferenz zu erscheinen, auf der gestern der Öffentlichkeit der Wandel präsentiert wurde. Der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, Andreas Büchler, betonte, er habe zum Beispiel beim kunterbunten Kinderspaß, den die Bürgerstiftung alljährlich vor dem Kurhaus organisiert, erfahren, dass die Ehrenamtlichen gern wahrgenommen werden wollen, „das ist ihr Lohn“.

Justus Kindermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, erläuterte noch einmal im Schnelldurchgang den Werdegang der Plattform und gab dann, sichtlich frohen Herzens, sein „Baby“ in die Hände von Ricarda Feurer, und Andreas Büchler freute sich, dass die Bürgerstiftung nun wieder die Hände frei habe für neue Projekte.

Auch Ricarda Feurer treiben bereits neue Ideen um: Sie träumt von einer Vernetzung der Vereine untereinander, um den organisatorischen Aufwand, zum Beispiel bei Vereinsfesten, zu minimieren. „Der eine Verein hat vielleicht ein Festzelt, der andere einen großen Grill, der nächste eine gute Musikanlage...“ Da ließen doch sicher Ressourcen verknüpfen. Sie wird sich also nicht nur um die Plattform kümmern.

OB Mergen umriss schon mal, wo Hilfe Not tut: Gerade die Ehrenamtlichen in den Vereinen – und das sind nicht immer nur die Vorstände, die auf den Zeitungsfotos vorne stehen – kämpften zum Beispiel bei der Ausrichtung von Festen im öffentlichem Raum mit schier unendlichen Hindernissen: Absperrgitter, Zutatenliste fürdie dargereichten Speisen, Hygiene, Sicherheit, Steuern, Versicherungen … da ist man als ehrenamtlicher nach Feierabend schnell überfordert. Auch hier wird die neue Ehrenamtsbeauftragte gerne in praktischer Alltagshilfe unterstützen..

Das offizielle Pressefoto zum Start. Von links: Uwe Schnurr (Finanzvorstand Bürgerstiftung), Ricarda Feurer, Justus Kindermann, OB Margret Mergen und Andreas Büchler

Wie funktioniert nun die Ehrenamtsbörse? Alle eingetragenen Organisationen, Vereine, oder Einrichtungen, die gemeinnützig, mildtätig oder kulturelle Ziele in Baden-Baden verfolgen, können auf der Seite Einträge bekommen. Dazu muss ein online-Formular ausgefüllt werden, das die Ehrenamtsbeauftragte prüft, bevor sie es einstellt. Auch kümmert sie sie sich darum, dass die Aufrufe nicht zu lange stehen bleiben, sondern aktualisiert beziehungsweise wieder herausgenommen werden, wenn der Zweck erreicht wurde. Wer nicht genau weiß, ob sein Anliegen für die Seite geeignet ist oder Schwierigkeiten oder Fragen hat, kannn sich jederzeit direkt mit ihr in Verbindung setzen:
Tel.: 07221- 93-2005

Webseite: www.Baden-Baden-hilft.de

Übrigens kann man sich bei Ricarda Feurer auch "einfach so" melden, wenn man Lust hat, sich irgendwo ehrenamtlich zu engangieren! Möglichkeiten gibt es genug!


Vor dem Internetauftritt hat man die Freiwilligen übrigens so gesucht: Per Zeitungsanzeige. Effektiv, aber auf Dauer zu teuer.
















Donnerstag, 1. November 2018

Nicole Eisenman


Eine Ausstellung mit Anspielungen und
viel verstecktem schwarzen Humor

Mit „Baden Baden Baden“ präsentiert die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden ab Samstag, 3. November 2018, die erste institutionelle Einzelausstellung von Nicole Eisenman in Deutschland. 

Im Mittelpunkt der umfangreichen Schau stehen die Skulpturen der amerikanischen Künstlerin, die 1965 im französischen Verdun geboren wurde. So werden mehr als 20 bildhauerische Werke aus den letzten Jahren gezeigt, darunter zwölf neue, eigens für Baden-Baden geschaffene Arbeiten. Diese werden flankiert von Gemälden, einer Videoarbeit und Holzreliefs. 




Es sind zum Teil schwerwiegende Werke, dies musste auch der Kurator der Ausstellung, Hendrik Bündge, schmerzhaft erfahren, als ihm bei der Vorbereitung der Ausstellung der Sockel für ein kleineres Werk auf den Fuß fiel...







Sechs Bronzeköpfe unterschiedlicher Größe eröffnen den Ausstellungsparcours im großen Oberlicht-Saal der Kunsthalle. Hier zeigt sich Eisenmans Vorliebe für schwarzen Humor sowie für Experimente mit unterschiedlichen Materialien - etwa Bronze, Aluminium oder Gips. 




Keine Oberfläche gleicht der anderen, die eine ist fein poliert, die andere erscheint grob. Ein Kopf kann sogar wie ein außer Kontrolle geratener Brunnen Wasser speien, 




ein anderer, der sich wie eine Höhle in einem Berg öffnet, Rauchwolken aufsteigen lassen.



Auch die Neugier wird belohnt, wenn man durch das Guckloch einer original Schwarzwaldhaus-Tür lugt. Aber Vorsicht, der Anblick ist nicht ganz jugendfrei – das Guckloch hängt mit Bedacht so hoch.



Manche der neuen Arbeiten lassen sich zudem als Antwort auf die aktuelle US-amerikanische Situation unter Präsident Donald Trump verstehen. 




So ist in Baden-Baden ein sechs Meter langer mit Gips ummantelter Fahnenmast zu sehen, der zerbrochen auf dem Boden liegt. Die Flagge, die einst stolz im Wind wehte, ist nicht mehr vorhanden, und der Adler als Wappentier hat seinen erhabenen Platz verloren und ist in eine Kiste gewandert: ein materialisiertes Antimonument, von Nicole Eisenman in feiner Balance zwischen Galgenhumor und Tragik formuliert, wie es in der Pressemitteilung der Kunsthalle heißt.






Seit ihrem Durchbruch in der New Yorker Kunstszene in den 1990er Jahren zählt Nicole Eisenman zu den wichtigen Stimmen ihrer Generation. Zunächst als Künstler-Künstlerin und Geheimtipp geschätzt, gehört sie heute zu den wenigen anerkannten Künstlerinnen, die unter den kommerziell erfolgreichen männlichen Malern mitmischen. 
 

Ihre Werke - großformatige Gemälde, Zeichnungen, Videos und Skulpturen - sind bestimmt durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte, Kunstgeschichte und Popkultur und haben einen ganz eigenen Humor. 

Um die Facetten ihres Werkes und ihrer Intuition noch besser verstehen zu können, sei unbedingt auf die Audio-Tour verwiesen, sonst wird man manche Spitzfindigkeit nicht auf den ersten Blick erfassen. Auch der ansprechende und informative Katalog kann hierbei hilfreich sein.



Zur Einstimmung sei auch dieser Beitrag von SWR 2 sehr zu empfehlen => KLICK



Nicole Eisenman (*1965 in Verdun, Frankreich) lebt in New York City (USA). In Deutschland erregte sie zuletzt Aufsehen mit ihrer spektakulären Brunnenanlage für die Skulptur Projekte Münster (2017). Sie ist die diesjährige Brenners Artist in Residence.

Die Ausstellung wird morgen, Freitag, 2. November, um 19 Uhr bei freiem Eintritt offiziell eröffnet.

Öffnungszeiten: 


3. November 2018 bis 17. Februar 2019
Täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen (außer an Feirtagen)
Eintritt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Schüler 3 Euro.

Webseite der Kunsthalle => KLICK

Übrigens lohnt sich beim Besuch der Kunsthalle ein Seitenblick in den kleinen 45-Kbm-Ausstellungsraum neben der Kasse. Hier zeigt Kasia Fudakowski noch bis 11. November die Ausstellung "Bad Basket", die sich allerdings erst erschließt, wenn man die schweren Metall-Schwingtüren aufgedrückt hat. Die Türen tragen den Auszug einer Kurzgeschichte von B. Traven. Also - der kleine Raum ist - bei stets freim Eintritt - ebenfalls immer für eine Überraschung gut. 









Mittwoch, 29. August 2018

Ticketservice

Der Ticketservice ist umgezogen
Dostojewski-Haus statt Trinkhalle

Das ist schon was anderes: Wer künftig Tickets für Veranstaltungen in Baden-Baden kaufen möchte, begibt sich nicht mehr wie in den letzzten 20 Jahren in den Kurgarten in eine wunderschöne altehrwürdige Wandelhalle mit Säulengang als Entree und (manchmal) plätscherndem Heil(?)/Thermal(?)-Wasser-Brunnnen, sondern muss sich umgewöhnen.





Bäderstraße 2 heißt die neue Anschrift.  

Hingucker: Zwischen den Balkonen mit großen Verkaufsplakaten der Hinweis, dass Dostojewski in diesem Haus gewohnt hat...


Nicht ganz einfach zu erklären, wo man das neue Büro nun findet. Fußgängerzone. Ganz hinten im Bäderviertel. Dostojewski-Haus? Nie gehört, gestehen so gar Einheimische. Einigen Leerstand gibt es hier, direkt gegenüber eine Geschäftsaufgabe, dennoch Auto an Auto, Bushaltestelle vor der Tür (wird aber nur fünfmal am Tag bedient, samstags zweimal, sonntags nie)... 




absolutes Halteverbot vor der Tür, dennoch überall Lieferverkehr, dazu herumirrende Touristen auf der Suche nach … 



Das ist inzwischen landauf, landab das neue Fußgängerzonen-Feeling, auch in Baden-Baden, denn gerade hier sind die Immobilienpreise und damit auch die Mieten für Ladenraum oft unerschwinglich teuer. 
 
Mittendrin nun also der Ticketservice. Man wird sich umgewöhnen (müssen):

Optimal ist die Lage beileibe nicht, da hätte man sich eigentlich eine Örtlichkeit eher in der Nähe des Bürgerbüros gewünscht (wo zum Zeitpunkt der Ideenfindung sogar etwas frei gewesen wäre). 

Geschäftsführer Peter Schlaile beim Pressetermin. Hier ein gestelltes Foto...


Eng geht es zu, einige Quadratmeter misst der kleine Laden nur. Im Gegensatz zur geräumigen Trinkhalle ist das für fünf Mitarbeiter schon ein Einschnitt. Aber wieviel Diskretion braucht der Kunde, wenn er Konzertkarten kauft?

... dann kamen die ersten Kunden, und es wurde wirklich eng
 
... vorher...

Wie dem auch sei! Umgezogen ist umgezogen. Und auch wenn noch niemand weiß, warum eigentlich (Pläne für die frei gewordene Trinkhalle hat die Bäder- und Kurverwaltung noch nicht – jedenfalls noch nicht öffentlich geäußert), hilft alles Jammern und Wehklagen ja nichts. 

Irgendwie klangen die Ermunterungen bei der kleinen Einweihung des neuen Standortes gestern eher wie das Pfeifen im dunklen Wald: Es gibt eine Bushaltestelle (der Linie 204, 205 und 214), die tatsächlich ähnlich weit entfernt ist vom Standort wie früher die hoch frequentierte Tallinie. Parkhäuser gibt es auch in der Nähe. Überhaupt: Für Leute aus dem Murgtal wird das Büro nun leichter zu erreichen sein. Und dass es kein KundenWC mehr gibt - nun, auch dafür wird sich schon noch eine Lösung finden.




Oberbürgermeisterin Margret Mergen (rechts auf dem Foto) fand den Standort bei ihrer kurzen, überraschenden Stoppvisite auch deshalb gut, weil er vielleicht (oder hoffentlich?) diesen stiefmütterlichen Teil der Fußgängerzone mit mehr Leben erfüllen wird.
 
Selbst der Umstand, dass eine Abgrenzung des Ticketservices gegen den Immobilienhändler im gleichen Haus schwer sein wird, kann man das auch positiv sehen: „Kaufen Sie Events statt Immobilien!“, so OB Mergen lachend.







Die Chefin des Ticketservices, Jess Doenges, lächelt und schweigt zu alledem. Sie sieht immer gerne nach vorne (Hier ein Beitrag aus dem Jahr 2014 über sie => KLICK). 

Immerhin: Die Umzugskartons sind ausgepackt, alles ist an Ort und Stelle, Telefon und Internet funktionieren, die ersten Kunden haben den Weg schon gefunden und holen ihre Karten ab. Behindertengerecht ist das Büro zwar nicht, aber es gibt eine Verbindungstür zum barrierereien Eingang beim Immobilienhändler nebenan.

In Zeiten des Telefons und Internets gibt es auch gute Nachrichten:

Die Telefonnummer bleibt gleich: 
Tel. 07221 - 932700

Die Mail-Adresse sowieso (und hier gibt wirklich sehr zeitnahen, supe netten Service!)

An den Öffnungszeiten ändert sich ebenfalls nichts: 
Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

Und das Beste zum Schluss: Das Team ist auch noch das gewohnte. Gewohnt freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit, kompetent. 



An alles andere werden wir uns schon noch gewöhnen...





 





Samstag, 25. August 2018

Große Woche 2018


Lieb und vielleicht bald teuer:
Große Woche startet zum 160. Mal 

Eine Woche lang steht Baden-Baden ab heute – im 160. Jahr übrigens - ganz im Zeichen des Galoppsports. Und so freute sich Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern natürlich sehr, nun schon zum fünften Mal in ihrer Amtszeit zum Beginn der „Großen Woche“  beim traditionellen offiziellen Empfang im Casino zahlreiche Gäste zu begrüßen. Die Große Woche sei „DAS“ Highlight für die gesamte Region, dem nicht nur eingefleischte Pferdesportfreunde alljährlich entgegenfieberten, betonte sie. 

 

Zum 160jährigen Jubiläum gebe es darüber hinaus zusätzliche Höhepunkte, sagte sie und nannte den neuen „Walk of Fame“, an dem alle Gewinner der Goldenen Peitsche verewigt werden, den „Tag der Nachwuchsförderung“ mit Rennen für junge Reittalente, „Mr. Ed“, den elektronischen Rennpferdsimulator, die Veranstaltung „Galopp meets Fitness“, den traditionellen „KSC Kinder & Familientag“ oder den „Ladies Day“. 



Dass man diese neuen Angebote nicht von ungefähr eingeführt hat, gestand Baden-Racing-Chef Andreas Jacobs ein. Er erinnerte in seiner eindrücklichen Rede an die Insolvenz im Jahre 2009/2010, die damals für alle vollkommen unvorstellbar und überraschend kam. Aber durch den Schulterschluss der Bürgermeister von Baden-Baden und Iffezheim, der Sparkasse und vieler Partner sei es dann doch gelungen, die Rennbahn weiterzubetreiben - und somit in der Lage zu sein, heute 160 Jahre Bestehen zu feiern.

Warum es wieder aufwärts ging und warum die Rennbahn heute so erfolgreich ist? Weil sie etwas ganz besonderes bietet:

Erstens den Sport: In Iffezheim werde der beste Galopprennsport Deutschlands gezeigt, so Jacobs. Das Preisgeld der Rennen liege hier durchschnittlich bei 22 000 Euro, während es  auf den anderen Bahnen in Deutschland bei rund 10 000 Euro liege. Auch gebe es hier wichtige Rennen für zweijährige und dreijährige Pferde.

Zweitens das Ambiente: "Eine Rennbahn ist dann schön, wenn die Menschen Spaß haben." Die Leute gingen eben gerne nach Iffezheim, sie zeigten sich gerne elegant gekleidet, die Rennbahn sei einfach "society-relevant", noch dazu, wenn dann nächste Woche etwa auf dem Grand Prix-Ball der Galopper des Jahres gekürt werde. 

"Man kann nur weiterbestehen, wenn man Innnovationsführer war und bleibt", sagte Jacobs. Er erinnerte an einige solcher Innovations-Meilensteine wie die erste Jährlingsauktion 1963, oder an die "Emirates World Series", bei denen Preisgelder von einer Million Euro ausgelobt wurden und die 2000 bis 2005 in Iffezheim stattfanden.

Und was werden die Innovationen der Zukunft sein, damit man auch noch das 170., 175. oder 200. Jahr des Bestehens wird feiern können? Für Jacobs liegt es auf der Hand. "Sehen Sie sich die Jugend von heute an", sagte er. "Die stellen sich nicht geduldig in eine Schlange von acht oder zehn Menschen, um ihren Tipp abzugeben." Aus diesem Grund wage man ab heute in Iffezheim wieder etwas Brandneues: Die testweise Einführung einer App.

Allerdings gab er den Offiziellen unter den Versammelten auch etwas zum Knabbern mit auf den Weg: Man innoviere und renoviere ständig an der Bahn, damit sich alle wohlfühlten, auch Kinder und Familien. Dies alles seien aber beileibe keine privaten Investitionen, es handele sich hier schließlich nicht um privaten Veranstaltungen, sondern die Rennbahn stehe allen aus der Region offen. Ein Schulterschluss zwischen privater und öffentlicher Seite sei daher dringend notwendig. Was und welche Höhe er damit meinte, sagte er auch frank und frei heraus: Konkurrent Hoppegarten beispielsweise werde mit zehn Millionen Euro aus öffentlicher Hand unterstützt... 

Diese Nachricht musste erst mal verdaut werden, was aber mithilfe einer Einlage des wie immer witzig aus dem Handgelenk kalauernden Baden-Badener Schauspieler Max Ruhbaum problemlos gelang. 

Hier geht es zur Webseite von Baden-Racing mit allen Terminen, Wett-Tipps und Angeboten, die für einen  Besuch der Rennbahn interessant sein könnten. => KLICK

An den Renntagen fahren übrigens (zum normalen KVV-Tarif) Sonderbusse vom Bahnhof Baden-Baden direkt bis zur Rennbahn und auch wieder zurück. Den Fahrplan entnehmen Sie bitte der Seite der Stadtwerke Baden-Baden => KLICK

Während der Großen Woche sorgt abends ein reichhaltiges kulinarisches und musikalisches Programm im Kurpark Baden-Baden für Abwechslung. Näheres finden Sie hier => KLICK





Montag, 23. Juli 2018

bunt - S.O.S.


Fast 500 Teilnehmer demonstrierten für
ein humanes und rechtsstaatliches Europa

Auf große Resonanz der Baden-Badener stieß die Kundgebung „S.O.S. Europa – Stoppt das Sterben im Mittelmeer“, die das Bündnis „Baden-Baden ist bunt“, die Europa-Union, der Pulse of Europe, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und der Verein „Junge Flüchtlinge Rastatt“ organisiert hatten, und dem sich desweiteren auch Caritasverband und attac anschlossen. Bis nahezu 500 Teilnehmer kamen gestern auf den Augustaplatz – ehe der Regen die Menge etwas verkleinerte.











Überraschungsgäste waren zwei Mitglieder der Crew der „Lifeline“, des Rettungsschiffes, dessen Einsatz beziehungsweise Verhinderung des Einsatzes bundesweite für Schlagzeilen gesorgt hatten, nachdem das Schiff mit 234 geretteten Migranten an Bord tagelang auf dem Meer ausharren musste, bis es schließlich auf Malta anlegen konnte. 



 
Der medizinische Leiter der Lifeline, Georg Albiez, war mit Crew-Mitglied Karola Malek gekommen und schilderte seine Eindrücke. 



 
Oliver Ehret vom Pulse of Europe wartete mit nüchternen, aber umso erschreckenderen Zahlen auf. 




Franz Alt sehr eindringlich deutlich machte, was und wer die Fluchtursachen sind.
Hier der Link zu seiner Rede, die er in Auszügen auf seiner Webseite „Sonnenseite“ veröffentlicht hat => KLICK





Pfarrer Thomas Weiß von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen mahnte zu mehr Christlichkeit und Humanität. 



Zum Abschluss berichtete Khalil Khalil aus Syrien im Dialog mit Werner Henn von der Europa-Union seine Flucht auf dem Schlauchboot über das Mittelmeer.



Donnerstag, 19. Juli 2018

Alina Szapocznikow


Sommerausstellung in der Kunsthalle
zur Vergänglichkeit des Menschen

Radikal. Intensiv. Und irgendwie auch ein bisschen gruselig.

So präsentiert sich die Sommerausstellung der staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, die am morgigen Freitag (20. Juli) um 19 Uhr eröffnet wird (freier Eintritt, ab 21 Uhr großes Sommerfest!). 




Da ragt eine überdimensionierte Hand in den Raum, da liegt ein kleines Bein auf einem Block, da sind Eingeweide zu sehen, das Innere wird nach außen gekehrt. Ein Kussmund wird zur Lampe, Krebsgeschwüre werden zu Anschauungsobjekten, der eigene Sohn zur unsterblichen Skulptur...





Bouquet II


Menschliche Landschaften“, so heißt die Ausstellung, kuratiert von Luisa Heese, die bereits vor 14 Jahren auf die 1973 verstorbene polnische Künstlerin Alina Szapocznikow aufmerksam geworden war. Damals hatte sie ein Werk der Künstlerin in Warschau entdeckt – heute nun ist sie sichtbar stolz darauf, die erste große Überblicksausstellung über die Werke der Künstlerin in Deutschland zeigen zu können.

Der Zuschauer braucht starke Nerven und eine Führung oder den Audio-Guide, um sich die Schichten der Bedeutungen zu erarbeiten. 


Aschenbecher des Junggesellen
 
Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins war das Thema der Künstlerin, die als polnische Jüdin ihre Jugendjahre in Konzentrationslagern überlebte, bevor sie über Prag nach Paris zog. 1969 erfuhr die Künstlerin, dass sie an Krebs erkrankt war, und setzte sich bis zur ihrem Tod 1973 im Alter von nur 47 Jahren intensiv mit diesem Thema auseinander. Sogar der Inszenierung ihrer eigenen Beerdigung ist der Betrachter ausgesetzt.

Der menschliche Körper und seine Vergänglichkeit prägten von Anbeginn Alina Szapocznikows Schaffen. Nach einer klassischen Bildhauerausbildung begann sie mit verschiedenen Materialien zu arbeiten: Bronze, Gips oder Stein, später Kunstharz und ein schwarzer Schaum. Sie zerlegte den menschlichen Körper in seine Einzelteile, setzte sie wieder neu zusammen oder ließ sie für sich alleine stehen. Oft stand auch ihr eigener Körper Pate für Abdrücke in den verschiedenen Materialien. Es sei ein Schaffen zwischen den Polen des menschlichen Daseins, der Sexualität und dem Sterben, erläuterte Luisa Heese (rechts) beim Presserundgang mit Kunsthallenchef Johan Holten (links). 


 

Lustvolle Schönheit steht neben abgründiger Todesnähe. Themen, die sicher auch in der Zeit ihrer Entstehung begründet sind. Die Werke, die zwischen 1954 und 1973 geschaffen wurden und zum Teil auch auf der documenta 12 und documenta 14 präsentiert wurden, sind ab Samstag, 21. Juli bis zum 7. Oktober zu sehen. 


 

Der Eintritt kostet 7 Euro, freitags ist der Eintritt frei. Am Samstag, 28. Juli, gibt es während der langen Nacht der Museen abends Sonderführungen und Jazz, am Mittwoch, 1. August und Mittwoch 4. September gibt es einen Power Lunch mit der Kunst, weitere Punkte des interessanten Rahmenprogramms mit Diskussion, Film und Musik sind auf der Webseite zu finden => KLICK

 

Freitag, 15. Juni 2018

Ad Minoliti


Von Hexen und grünen Händen

Dass Hexen und schwarze Kater zusammengehören, weiß jedes Kind. Aber haben Sie gewusst, dass in Trickfilmen die Farbe für Hexen meistens grün ist? Oder dass eine grüne Hand in Argentinien und auch anderswo als Symbol für Abtreibungsbefürworter gilt? 

 


Das sollten Sie wissen, wenn Sie über den Sommer der staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden einen Besuch abstatten und auch einen Blick in den Studio-Raum 45 cbm werfen, der Experimentierküche für junge Kuratorinnen. Immer wieder kann man hier junge Talente entdecken und sich über ihre Kreativität und ihr Können freuen. 

Für die derzeitige Ausstellung ist Marie Himmerich verantwortlich, und sie hat hierfür die aufstrebende argentinische Künstlerin Ad Minoliti ausgewählt. Vor zwei Jahren war sie im Internet auf die vielseitige Künstlerin aufmerksam geworden, die sich, feministisch motiviert, mit der Geschichte der abstrakten und meist männlichen Malerei auseinandersetzt. 

"Coven" (=Hexenzirkel) heißt die Ausstellung, für die ein eigens für die Kunsthalle entworfenes Wandbild gefertigt wurde, in das auch ein Video mit digital erstellten Collagen integriert ist. Die Arbeiten der 1980 in Buenos Aires geborene Künstlerin erfahren übrigens zunehmend Aufmerksamkeit. So plant das Museo de Arte Moderno de Buenos Aires im kommenden Jahr eine museale Einzelausstellung mit ihr. 

Heute (15. Juni) ist um 19 Uhr feierliche Eröffnung (Eintritt frei). Die Werke sind bis 2. September 2018 zu sehen. Der Blick in den kleinen Studioraum kostet nichts.